Dienstag, 21. April 2015

Romanttisen kauhea Nukuttaja vs. lasten rakastama Nukkumatti

Ei ollut epäilystäkään, ettenkö olisi verrannut E.T.A Hoffmannin hirviömäistä Nukuttajaa Itä-Saksalaiseen, DDR:n televisiosta alunperin tunnettuun parrakkaaseen Nukkumattiin, joka hänkin laittaa lapset nukkumaan, haluamatta tosin, että hiekasta olisi silmille jotain harmia. Molemmilla otuksilla on siis lähes samankaltainen tehtävä ja ne ovat mielikuvituksen tuottamaa ainesta. Nukkumatti vie lapset nukkumaan, olivat he sitten kilttejä tai eivät, ripottelee heidän silmiinsä hiekkaa ja toivottaa hyvää yötä. Hoffmannin Nukuttaja, (joka on päähenkilö Nathanaelin mielikuvitusta, ei yleisesti tunnettu hahmo niinkuin Nukkumatti), negatiivinen jo valmiiksi nimensäkin puolesta, rankaisee lapsia, joita uni ei vielä maita. Hän viskoo silmiin hiekkaa niin rajulla kädellä että ne tipahtavat verta vuotavina päästä ja vie ne tarinassa mainitsemaan puolikuuhun, jossa silmättömät lapset raatelevat ne terävillä, käyrillä nokillaan. Nukuttaja kuvaillaankin tarinassa seuraavasti : ”ruma, aavemainen hirviö, joka levitti ympärilleen, minne sitten menikin, kurjuutta ja hätää, niin ajallista kuin ikuistakin turmelusta”. (kääntäjä: Markku Mannila, 390 s., Teos 2011) http://www.kiiltomato.net/e-t-a-hoffmann-yokappaleita/ (6.2.2012)
 
Molemmat hahmot eivät ole tosin menettäneet merkitystään ja suosiotaan vielä nykypäivänäkään. E.T.A Hoffmannin Der Sandmann on siis käännetty suomeksi ja Suomessa, vielä tänäänkin, lauletaan vauvoille ja pienille lapsille niin kutsuttu Sininen uni-laulu, joka sekin viittaa Nukkumattiin.

Laulun sanat:
Sininen uni
Joka ilta kun lamppu sammuu ja saapuu oikea yö,
niin Nukku-Matti nousee ja ovehen hiljaa lyö.
On sillä uniset tossut ja niillä se sipsuttaa,
se hiipii ovesta sisään ja hyppää kaapin taa.

Ja sillä on uninen lakki ja sininen, uninen vyö
ja unista jäätelön palaa se pienillä hampailla syö.
Ja sillä on sininen auto ja se auto hyrrää näin:
surrur, surrur ja lähtee unen sinistä maata päin.

Ja pieni sateenvarjo on aivan kallellaan
ja sinistä unien kirjaa se kantaa kainalossaan.
Ja unien sinimaahan se lapset autolla vie.
Surrur, surrur ja sinne on sininen, uninen tie.

Ja siellä on kultainen metsä ja metsässä kultainen puu
ja unien sinilintu ja linnulla kultainen suu.
Ja se unien sinilintu se lapsia tuudittaa,
se laulaa unisen laulun: la la lal la la lal lal laa


Nostalgiaa parhaimmillaan, ainakin minulle. Äidilläni oli tapana laulaa laulu meille lapsille aina ennen nukkumaanmenoa.

Donnerstag, 16. April 2015

Von der Schrankenlosigkeit der Phantastik oder wie sie immer realistischer wird



E.T.A. Hoffmanns phantastische Erzählung „Der Sandmann“ bewegt sich nicht nur gattungsspezifisch zwischen zwei Ebenen, zwischen Märchen und realistischem Roman, sondern lässt auch in logischer Hinsicht zwei scheinbar unvereinbare Ordnungen nebeneinander existieren, welche zu einem spannungsgeladenen Gesamtwerk führen. Das erste Stück seines Erzählzyklus Nachtstücke, welches 1816 erstmals veröffentlicht wurde, kann als Antwort auf eine beschränkt rationalistische Weltsicht gesehen werden, welches das Zeitalter der Aufklärung prägte.
 
Die Verdunkelung der Realität kommt bereits in der Bezeichnung als „Nachtstück“ zum Ausdruck. Die terminologische Herkunft des Begriffes lässt sich auf die Malerei zurückführen, in welcher erstmals die Facetten des Lichts bedeutsam wurden. Das Halbdunkel („Chiaroscuro“) kann metaphorisch als Gradwanderung zwischen Erkenntnis und Geheimnis gelten, das trotz der Anwesenheit des Lichts, Dunkelstellen offen lässt. Doch Dunkelheit evoziert immer auch das Gefühl von Kontrollverlust, durch welches Bedrohungen heraufbeschworen werden, die die bereits eingeschränkte Sicht noch stärker verschleiern. Auch die phantastischen Erzählungen wurden als eine solche Bedrohung empfunden, da sie durch ihre Unklarheiten, scheinbar die Reinheit der Kunst in Gefahr brachten. Somit wurde die Phantastik zum Problem einer Welt, „die sich der rationalen Erklärbarkeit allen Geschehens verschrieben hatte.” (Thomsen 1980: 39).

Phantastik wird oftmals in Abgrenzung zum Realitätsbegriff definiert, doch wie dieser beschaffen ist, ist unbestreitbar von der Zeit und dem kulturellen Kontext ihrer Entstehung abhängig. Waren es in der Vergangenheit historische und soziale Umstände oder philosophische Überzeugungen, wie der Positivismus in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts, die den Anreiz für eine abweichende, phantastische Literaturproduktion gaben, ist die Phantastik der heutigen Zeit weitaus schwieriger zu begründen. Schon im 20. Jahrhundert war „[n]ach Todorov […] das Begriffspaar Realismus – Phantastik nicht mehr gültig: Kafka braucht nicht mehr übernatürliche Wesen erscheinen lassen, da der Mensch an sich schon phantastisch genug ist.“ (Thomsen 1980: 40).

Im Laufe der Geschichte werden die Vertauschung von Künstlichem und Lebendigem und die literarische Verbindung von Schein und Sein immer ernsthafter und greifbarer. Der Schrecken der heutigen Zeit besteht wohl zunehmend darin, dass dieser einst bestehende Zwiespalt zwischen realer und fiktiver Ordnung aufgehoben wird. Die Gesellschaft des Technologie-Zeitalters, die sich zu einem Großteil durch ihre Internnetpräsenz definiert, sich in virtuellen Welten bewegt, ständigem Informationsfluss ausgesetzt ist und nach Selbstoptimierung strebt, erweckt den Anschein,  als sei heutzutage die Irrationalität realistischer denn je.
Inwieweit das Unheimliche auch heute noch im Mittelpunkt literarischen Interesses steht, werde ich in Kürze anhand des gleichnamigen Romans von Bodo Kirchhoff aus dem Jahre 1994 zu zeigen versuchen.
Literatur: Thomsen, Christian Werner; Fischer, Jens Malte (1980): Phantastik in Literatur und Kunst. Darmstadt: Wissenschaftliche Buchgesellschaft [Abt. Verl.].
Bild: http://fudder.de/artikel/2013/07/04/verlosung-max-ernst-in-der-fondation-beyeler (Der Hausengel (Erste Fassung); Max Ernst, 1937).

Dienstag, 14. April 2015

Sigmund Freud und der Sandmann

Ich wollte noch kurz erwähnen, dass der weltberühmte Denker Sigmund Freud, Begründer der Psychoanalyse, auch den Sandmann (daraus Personen und verschiedene Themen) behandelt und analysiert hat. Wer mehr sich dafür interessiert, gibt es ein Buch (bzw. ein Essay) von ihm, das heißt: Das Unheimliche. Hier noch eine Beschreibung von dem Buch (genommen aus amazon.de):

Der Begründer der Psychoanalyse, Sigmund Freud, hat bei der Entwicklung seiner Lehre immer wieder auf literarische Werke zurückgegriffen und Dichter als »wertvolle Bundesgenossen« bezeichnet. Mehrfach hat sich Freud auch mit der phantastischen Literatur beschäftigt, vor allem in dem 1919 veröffentlichten brillanten Essay »Das Unheimliche«. Freud untersucht die deutsche romantische Literatur, namentlich E.T.A. Hoffmann, und gelangt über die Herleitung des Wortes unheimlich aus dem Heimischen zu der verblüffenden Erkenntnis, dass unheimlich nur ist, was uns einst nah vertraut, also heimisch war. Im deutschen Sprachraum weniger bekannt, gilt Freuds Essay in der angelsächsischen Welt als der zentrale Text zum Verständnis der literarischen Phantastik.

Link: http://www.amazon.de/Das-Unheimliche-Sigmund-Freud/dp/3862676072

Erste Gedanken über den Sandmann

Erste Gedanken über den Sandmann

Bevor ich auf die Geschichte des Sandmannes eingehe, möchte ich kurz schildern, welche Wirkung diese Kurzgeschichte (schwarze Romantik) auf mich machte. Im Wesentlichen geht es um einen jungen Studenten namens Nathanael, der in seiner Kindheit mit der Beschreibung des Sandmannes als einen bösartigen Gesellen, der Kindern Sand in die Augen schüttet, so, dass sie bluten und aus dem Kopf fallen, von der Gouvernante eingeschüchtert wurde, um ihn ruhigzustellen. Dieses Kindheitserlebnis ließ in dem jungen Knaben derartig tiefe Spuren, die ihn bis in das Erwachsenenalter folgten und schlussendlich im Suizid endeten. Das Tragische an dieser Horrorerzählung ist meines Erachtens die Tatsache, dass im Grunde das Gute gewollt war aber das Böse erreicht wurde. Durch die übertrieben grausame Darstellung des Sandmannes sollte sichergestellt werden, dass Nathanael in seinem Bett und Zimmer blieb, um ihn vor der Gefahr einer möglichen Explosion durch alchemistische Experimente seines Vaters und des alten Advokaten Coppelius fernzuhalten. Da Wirklichkeit und Wahn in dieser Kurzgeschichte verschwimmen und dazu der Leser selbst noch über Realität und Traum im Unklaren gelassen wird, bleibt viel Spielraum für persönliche Interpretationen offen. Vergleicht man den Sandmann mit Märchengeschichten, so kann man einige Gemeinsamkeiten entdecken.

Der Sandmann verglichen mit Geschichten aus dem Struwwelpeter (von Heinrich Hoffmann)

Der Frankfurter Arzt und Psychiater Heinrich Hoffmann (1809-1894) wollte seinem kleinen Sohn ein Bilderbuch zu Weihnachten schenken, das zugleich auch pädagogische Zwecke erfüllen sollte. Da zu dieser Zeit auf dem Markt doch kein derartiges Buch vorhanden war, entschloss sich Hoffmann selbst eins zu schreiben und selbst zu illustrieren. Dieses Buch sollte auf sein Kind erzieherische Wirkung ausüben und ihn vor möglichem Schaden fernzuhalten. Dieses Buch enthält mehrere kleine Geschichten, die teilweise in Reimen geschrieben wurden.   Liest man diese Geschichten, so fällt einem sofort die außerordentliche Brutalität auf. Von schwersten Verletzungen über Verstümmelungen bis hin zum Tod der Protagonisten ist alles vorhanden. Ähnlich wie im Sandmann, wo die Hauptperson Nathanael am Ende Selbstmord begeht, enden einige Geschichten Hoffmanns ebenso dramatisch, zum Beispiel Der Suppenkasper oder Das arme Paulinchen. Solche Erzählungen, kombiniert mit den detaillierten Illustrationen, können bei der kleinen Leserschaft bleibende Eindrücke hinterlassen. Als Vergleich und Beispiel möchte ich an dieser Stelle den Daumenlutscher anführen. Diese Erzählung handelt von einem Jungen, der fortwährend seinen Daumen im Mund hatte. Sollte er nicht damit aufhören, käme der Schneider und schneidet ihm die Daumen mit der großen Schere ab. Da alle Kinder in Hoffmanns Erzählungen nicht brav sind und nicht auf ihre Eltern hören, widerfährt allen auch ein grausames Unheil. So verlor der Junge seine beiden Daumen.
Bemerkenswert ist, dass Der Struwwelpeter von einem Arzt und Psychiater verfasst wurde, wo man im Allgemeinen annehmen müsste, dass er selbst wüsste, welche Wirkung ein solches Szenario auf ein kleines Kind hat.
Hier, wie im Sandmann, sollen mit besten Wissen und Gewissen meiner Meinung nach Gefahren von Kindern abgewehrt werden, jedoch wird dabei der seelische Schaden total außer Acht gelassen, den diese Schrecklichkeiten anrichten können.
 

Das Augenmotiv im Sandmann

Im Sandmann kehren ab und zu verschiedene Motive wieder, wie zum Beispiel die "Augen". Diese Funktion versuche ich nun zu interpretieren. In der Zeit der Romantik spielten die Augen meistens eine wichtige Rolle in verschiedenen Werken. Sie dienten ausschließlich zum Ausdruck des Dämonischen. http://lehrerfortbildung-bw.de/faecher/deutsch/projekte/epik/sandmann/04_motive/
In der Kurzgeschichte spielen die Augen eine zentrale Rolle. Wie im positivem als auch im negativem Sinne werden sie in den verschiedensten Situationen erwähnt. Nathanael möchte als kleiner Junge erfahren, wie der Sandmann eigentlich aussieht. Das Kindermädchen seiner kleinen Schwester erzählt ihm, dass es ein Ungeheuer wäre, der den unartigen Kindern, die nicht zu Bette gehen wollen, Sand in die Augen streut ,so, dass sie anfangen zu bluten und schließlich brutal aus dem Kopf herausspringen. Die Augen werden dann zum Halbmond gebracht, wo die "Kinderchen" des bösen Sandmanns mit krummen Schnäbel die Augen aufpicken.
Seit diesem Zeitpunkt bekommt der kleine Nathanael natürlich furchtbare Angst. Seine Furcht wir dennoch größer, als er erfährt, daß der als einen Monster und Ungeheuer beschriebene Sandmann der alte Advokat Coppelius ist. Während Nathanael aus seinem kleinen Versteck Coppelius und seinem Vater dabei zuschaute, wie sie alchemistische Experimente durchführten und er dabei ertappt wurde, drohte Coppelius ihm die Augen auszureißen: "Nun haben wir Augen, Augen - ein schön Paar Kinderaugen". Auch hier ist es fraglich, ob Coppelius den kleinen Nathanael wirklich gepackt hatte und ihm gesagt hatte, er reiße ihm die Augen aus. In Nathanaels Schilderung wird nicht ganz klar, ob es ein Albtraum war oder die Tatsache, dass Coppelius ihm wirklich die Augen ausreißt.
Auch Coppola tritt als ein Optiker auf in einem Bereich, der sich mit den Augen beschäftigt. Nathanael fürchtet ihn, weil er beinahe identlisch mit dem Coppelius ist, kauft ihm schließlich doch noch ein Fernglas ab. Für Nathanael ist Coppola ein Doppelgänger des Coppelius. http://www.grin.com/de/e-book/126109/die-bedeutung-der-augen-in-e-t-a-hoffmanns-der-sandmann. Sie haben nach seiner Meinung nach die gleiche Stellung, das gleiche Aussehen und das Grauen alleine scheint von den beiden zu exhalieren.
Auch das Glas, durch das Nathanael durchschaut, ist ein wichtiger Punkt. Immer wenn er durch das Perspektiv blickt, werden seine Perspektive vom Wahn verstellt. Er sieht die wunderschöne Olimpia, die in Wirklichkeit nur eine Holzpuppe ist. Auch die Augen von Olimpia werden genau beschrieben. Nathanael bewundert sie mit Leib und Seele und liebt ihre "echten" Augen, die glasig in die Ferne schauten. Professor Spalanzani hat sie zusammen mit dem Coppola gebaut. Offensichtlich hat Spalanzani die Mechanik und Coppola die Augen der Puppe hergestellt. Es ist wie eine Wiederspiegelung von Nathanaels Kindheit. Er hatte sich wohl daran erinnert, wie sein Vater und der Advokat Coppelius zusammen gefährliche Experimente mit dem menschlichen Leben durchgeführt haben und später bemerkt Nathanael, dass das gleiche auch bei der Olimpia geschehen war. Sie ist ein künstliches Artefakt, ein "Automat", weit weg von einem Menschen aus Fleisch und Blut.
Das Augenmotiv begleitet die komplette Kurzgeschichte, von Anfang an bis zum Ende. Es hat bis zu dem Tod Nathanaels wichtige Bedeutung.

Was uns dieses Buch heute noch angeht?

In dem Sandmann werden Motive und verschiedene Themen behandelt wie Romantik, Alchemie, Wahnvorstellungen, Kindheitstrauma u. Ä.. Themen, die viele von uns heute noch angehen und bewegen. Sie sind sehr aktuell. Nathanael ist ein Träumer, der an einem in der Kindheit erlebten Trauma zusammenbricht und zu Grunde geht.  Es ist daher an uns aus dem Gelesenen unsere eigenen Schlüssel zu ziehen. Mit Sicherheit wird sich nicht jeder Mensch nach dem in der Geschichte beschriebenen Ereignis im Endeffekt das Leben nehmen.

Man sollte daraus jedoch die Lehre ziehen, mit der Macht des Wortes als Druckmittel sorgsam umzugehen, da man letzten Endes niemals in die Gedanken- und Gefühlswelt seines Gegenübers sehen kann.    

Freitag, 10. April 2015

”Tuonen lehto, öinen lehto!”


”Tuonen lehto, öinen lehto!”

Tällä viikolla Sandmann-blogiamme miettiessäni minulle tuli mieleen vanhat suomalaiset kehtolaulut, kuten upean runoilijan, Aleksis Kiven (1834-1872) Sydämeni laulu:

Sydämeni laulu 

    Tuonen lehto, öinen lehto!
    Siell’ on hieno hietakehto,
    Sinnepä lapseni saatan.

    Siell’ on lapsen lysti olla,
    Tuonen herran vainiolla
    Kaitsea Tuonelan karjaa.

    Siell’ on lapsen lysti olla,
    Illan tullen tuuditella
    Helmassa Tuonelan immen.

    Onpa kullan lysti olla,
    Kultakehdoss’ kellahdella,
    Kuullella kehräjälintuu.

    Tuonen viita, rauhan viita!
    Kaukana on vaino, riita,
    Kaukana kavala maailma


Minua on usein mietityttänyt vanhojen kehtolaulujen surullinen sävy: lasta tuuditetaan tuonelaan. Mutta toisaalta, kun alkaa miettiä aikaa, jolloin useat vanhat kehtolaulut – kuten Sydämeni laulu – on tehty, on lapsikuolleisuus ollut aika yleistä. Vanhemmat ovat näitä kehtolauluja laulaessaan lohduttaneet itseään ja lapsiaan: jos lapselle sattuisi jotain, hänestä pidettäisiin huolta tuonpuoleisessa.

Kuinka ollakaan – löysin kiinnostavan tutkielman, jossa mainitaan muun muassa yhteyksistä Hoffmannin Sandmannin ja vanhojen kehtolaulujen välillä. Eskola (2012) kirjoittaa: ”Lasta toivotetaan Tuonelaan, ”tuonne kirkon naapurihin, alle nurmen nukkumahan, maan alle makajamahan”. (Mp.) Jumalan ja pyhimysten ohella käännyttiin myös Unen, Torkun, Nukun tai jopa kuoleman puoleen. Kehtolauluissa on esiintynyt joukko hieman epämääräisiä kuoleman, tuonelan ja kirkkomaan haltijoita, joista käytettiin muun muassa nimityksiä Nurmi-Tuomas, Hiekka-Heikki, Savi-Samuli ja Manalan Matti. (Hämäläinen-Forslund 1987: 115–116.)
Samaan sarjaan kuuluu myös jo 1800-luvulla maaseudullakin hyvin tunnettu Nukku-Matti. Nukku-Matin suorimpana esikuvana voidaan pitää saksalaisen E. T. A. Hoffmannin Sandmannia, Hiekkamiestä. Hän heittää vuoteissaan kiukuttelevien lasten silmiin hiekkaa niin, että ne putoavat lopulta verta valuen päästä. Hiekkamies kokoaa lapset säkkiin ja kantaa heidät puolikuussa odottavien poikastensa ruoaksi. Hoffman on puolestaan saanut idean hahmoonsa saksalaisesta kansanperinteestä, jota voi siis pitää Nukku-Matin syntypaikkana. Hiekan on ymmärretty olevan peräisin hautausmaalta, ikiunen lähteiltä. (Hämäläinen-Forslund 1987: 115–116.) Nukahtamishetkellä lapsen silmiin heitetty hiekka kertoo unen ja kuoleman kiinteästä yhteydestä. Kalmistot voivat olla kehtolauluissa läsnä viitteellisinä, kuten edellä esitetty unihiekka-esimerkki osoittaa.” (http://epublications.uef.fi/pub/urn_nbn_fi_uef-20121036/urn_nbn_fi_uef-20121036.pdf.)

Jean Sibelius (1865-1957) on tehnyt Sydämeni lauluun kauniin sävellyksen. Yksi Sibeliuksen lapsista kuoli pienenä lavantautiin. Käsittääkseni Sibelius on tehnyt sävellyksen Sydämeeni lauluun kuolleelle tyttärelleen. Tässä vielä linkki Ylioppilaskunnan laulajien esitykseen Sydämeni laulusta: https://www.youtube.com/watch?v=aIxzXDoOm34.

Dienstag, 7. April 2015

Unsichtbares wird sichtbar gemacht

Hier noch ein Beispiel für eine ungewöhnliche Perspektive: "Post-Internet Art" verwendet sogar unstoffliche Computerdaten, um sie in begreifbare Kunstobjekte zu verwandeln.
http://www.zeit.de/kultur/kunst/2015-03/post-internet-art-neuer-kunststil-digitale-generation 

Die Darstellung der inneren Zerrissenheit mit Hilfe der phantastischen Erzählweise und dem Motiv der Optik



  Der Reiz des Phantastischen 

Bis heute hat das Phänomen der Abnormität in keiner Weise an Reiz verloren; spannende, nervenaufreibende Literatur, wie Krimis und Thriller, legen vor allem auch in Deutschland an Umsatz zu. Die Einbettung der Phantastik und des Schreckens in einen alltäglichen Kontext, welcher dem Leser oder Zuschauer einen reizvollen Nervenkitzel bereitet, ist noch heute ein funktionierendes Prinzip der Spannungserzeugung. 

Während heutzutage der Fokus meist auf einer speziellen narrativen Struktur liegt, ist bei Hoffmann auch ein klares ästhetisches Programm zu erkennen, das eindeutig auf ein ausgewähltes Themen- und Motivrepertoire zurückgreift.

Durch die Einbindung von Phantasmen in eine realistisch geglaubte Welt, wird innerhalb der Erzählung eine Überschreitung der Geschlossenheit vorgenommen, die eine mehrschichtige Realität heraufbeschwört. Figuren und Handlungen zeugen hierbei meist von einer Tiefenstaffelung, die charakteristisch für die literarische Phantastik ist und die die Anwesenheit scheinbar unvereinbarer Bewusstseinsebenen regelrecht fordert.  
Das phantastische Erzählen siedelt sich im undefinierbaren Grenzbereich zwischen Märchen und Novelle an, was die Ungreifbarkeit über das Inhaltliche hinaus, auch auf seine formale Struktur überträgt. Der Leser wird zunehmend in einen kausalen Schwebezustand versetzt, der die Grenzen zwischen Faktum und Fiktion aufzuheben vermag (vgl. Todorov 1972: 23). Die Unschlüssigkeit, wie die geschilderten Ereignisse letztendlich gewertet werden sollen, ob sie in natürlichen oder übernatürlichen Erklärungen ihre Einlösung finden, führt zu der notwendigen Ambivalenz der Sichtweise, mit welcher E.T.A. Hoffmann auch durch die gewählte Motivik anzuspielen vermag.
Neben dieser Bedingung der Unschlüssigkeit werden laut Todorovs „Einführung in die fantastische Literatur“ zwei weitere Aspekte entscheidend (vgl. Todorov 1972: 33). Zunächst wird der „verbale Aspekt“ behandelt, durch welchen der Leser an den fiktionalen Text die Erwartung herantragen sollte, es handle sich um eine real dargestellte Welt. Erst dadurch ist der Leser ausreichend in die erzählte Handlung involviert, um eventuelle Auffälligkeiten und Normabweichungen ergründen zu wollen. In einem weiteren Schritt kann es hierbei zu Gefühlsüberschneidungen kommen, indem die handelnde Figur der Geschichte dieselbe Unschlüssigkeit empfindet, wie der Leser. Die Rolle des Lesers wird einer Person der Erzählung anvertraut, sodass es zur Leseridentifikation kommt. Dieser Aspekt umfasst Syntax und Semantik der Geschichte, wobei der letzte Schritt der Identifikation nicht zwingend, aber häufig ist.
Der dritte Punkt ist von allgemeinerem Charakter, sieht die Wahl verschiedener Modi und Ebenen der Lektüre vor, bezieht sich aber ebenfalls auf die Haltung des Lesers. Sie sollte weder poetische, noch allegorische Interpretationen als angebracht erachten (vgl. Todorov 1972: 33). Meist geht eine solche Unschlüssigkeit mit dem Gefühl der Angst einher, das nach H.P. Lovecraft in gleicher Weise eine notwendige Leseerfahrung bildet.
Bei E.T.A. Hoffmanns Erzählungen ist ein solches Denkmodell, das auf den genannten Aspekten beruht, ebenso zu finden. Dabei kann das Grundmotiv der ständig wechselnden Perspektive herausgearbeitet werden, das als Basis des Nachtstücks „Der Sandmann“ dient und das die erwünschte Unsicherheit schafft. 



Subjektive Wahrnehmungsverfälschung - "I'm afraid that if you look at a thing long enough, it loses all of it's meaning." (Andy Warhol)

In E.T.A. Hoffmanns „Der Sandmann“ kommt die Normalität des alltäglichen Lebens eben durch die Verschmelzung unterschiedlicher Bewusstseinsebenen auf überraschende Weise ins Wanken. Die Geschichte erzählt davon, wie die Realität eines Individuums durch das Eindringen einer fremdartigen, scheinbar unerklärlichen Sphäre, schrittweise zerstört wird. Während dafür zunächst die Wirkung höherer Mächte verantwortlich gemacht wird, wächst die Erkenntnis, dass der Protagonist nicht als ohnmächtiges Opfer gelten kann, sondern dass die dunkle Seite der menschlichen Existenz geradezu aus seiner eigenen Seele erwächst. Hoffmann verstößt somit gegen das (früh-)romantische Idealbild, indem seine Darstellungen von den Nachtseiten des Lebens erzählen, die dabei jedoch immer im Realen verankert zu sein scheinen.
Außerdem richtet er sich gegen die aufklärerische Geisteshaltung, die Gesamtheit der menschlichen Existenz rational erfassen zu können. Hoffmann arbeitet wissentlich mit der Metapher des verfälschten Blicks. Das zentrale Motiv der Augen und der optischen Geräte, das für die präzisierende Klarheit der Aufklärung steht, wird zum Ursprung subjektiver Verfälschung und Fehllenkung pervertiert. Gleichsam steht diese Metapher für die Verbindung von Innen- und Außenschau: „Mit diesen Hilfsmitteln erschaut der Protagonist die Tiefen seines Innern im Äußern, womit der Veitstanz seiner Existenz beginnt.“ (Rath 2008: 203). Die Verbindung beider Wahrnehmungsebenen mündet letztendlich in der Erkenntnis der Selbstprojektion, indem die innere Leere stofflich wird. Der Protagonist sieht nur das, wozu er fähig ist und was er auch sehen will. Die Wahrnehmung, die vorrangig mit der Sehkraft gleichgesetzt wird, wird zum Ausdruck der persönlichen Überzeugung, der geistigen Verfassung und allgemein des Verstands. Was der Mensch nicht begreift, kann er auch nicht mit den Augen erfassen. Das Auge als Spiegel der Seele wird in der Erzählung zum zentralen Motiv.
Durch den Protagonisten Nathanael und die Schilderung seines Schicksals wird dieses Phänomen auf ungeheure Weise gesteigert. Nathanael beginnt, im Laufe seines Lebens eine subjektive Realität zu kreieren. Auch sieht er seine Forderungen an die Weiblichkeit und Liebe in der Wirklichkeit nicht realisiert, sodass er schlussendlich den leblosen Automaten „Olympia“ zum Inbegriff einer wahrhaftigen Liebe verklärt. Die Initialzündung für Nathanaels verklärten Blick liefert hierbei ein Kindheitserlebnis bzw. die Geschichte des „Sandmanns“, die Nathanael von seinem Kindermädchen erzählt bekommt.
Das gesamte Werk Hoffmanns ist nahezu durchdrungen von Gegensätzen, von welchen auch die Figurengestaltung betroffen ist. Nathanaels „fleischliche“ Geliebte Clara personifiziert die vernunftgeprägte Aufklärung, womit sie dem narzisstischen Träumer kontrastär gegenübergestellt wird. Ihre gescheiterte Liebesbeziehung kann metaphorisch als eine unmögliche Synthese beider Weltanschauungen angesehen werden, die wiederum auf eine Wahrnehmungsproblematik zurückgeführt werden kann: „Die Dialektik von realer Alltags- und irrealer Traumwelt ist nicht lösbar.“ (Hillebrand 1999: 30). Die Multiplikation von Wirklichkeitsebenen und Figuren führt zu einer Verwirrung des Lesers und seiner Perspektive, sodass eine logische Zusammenführung erschwert wird. Die Synthese wird bewusst verhindert, um den Facettenreichtum der Welt in die erzählerische Darstellung einfließen zu lassen.
Ob es nun der Blick in die Vergangenheit, oder der in die Zukunft war, der in den Menschen des damaligen Deutschlands mehr Angst auslöste, oder ob es die Verbindung beider Blickrichtungen war, deren scheinbare Unvereinbarkeit in ihrem Zwiespalt die vage Phantastik hervorbrachte, weiß man nicht. Vielleicht waren die Ziele der Aufklärung, die neu gewonnenen Erkenntnisse, die ein „helleres“ Weltbild schafften, noch nicht gefestigt genug, um mögliche Normabweichungen akzeptieren zu können. Denn auch heute noch sind solche kuriosen Erzählungen Anreiz, allgemeines Interesse zu wecken, auch wenn sich dieses Interesse weniger in Kritik, als in neugieriger Sensationslust äußert.

(Hillebrand, Sabine: Strategien der Verwirrung. Zur Erzählkunst von E.T.A. Hoffmann, Thomas Bernhard und Giorgio Manganelli. Frankfurt am Main 1999; Rath, Wolfgang: Die Novelle. 2., überarbeitete und aktualisierte Aufl.. Göttingen 2008; Todorov, Tzvetan: Einführung in die fantastische Literatur. München 1972.)